Gottes geliebte Menschen

Liebe Leserin,
liebe Leser,

am 8. Mai hat die zweite Nacht der Kirchen in Griesheim stattgefunden; auf diese vielfältige und kreative Veranstaltung hatten sich die ökumenisch zusammenwirkenden christlichen Gemeinden als ihren Beitrag zu „850 Jahre Griesheim“ verständigt. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde hat dies mit der Aktion „Gottes geliebte Menschen“ verbunden. Haben Sie etwas davon mitbekommen? Zu je zwei Terminen in unseren Gemeinderäumen und in der Stadt haben wir Menschen gebeten, sich fotografieren zu lassen. Die entstandenen Bilder haben wir zu einer Fotoausstellung zusammengetragen – 150 Bilder von Menschen in Griesheim! Unser Fotograf Gunnar Bremer, zugleich Regionalreferent unserer Freikirche, sagte uns voraus: „Das wird Euch verändern!“  Recht hatte er.Gottes geliebte Menschen
(Foto: privat)

Veränderung Nummer eins: Mal wieder seinen Mut zusammen zu nehmen, fremde Menschen anzusprechen, einzuladen, Bestandteil der Ausstellung für Griesheim zu werden. Haben Sie das schon mal gemacht – auf einem öffentlichen Platz fremde Menschen anzusprechen, einzuladen – und sei es zu einer solchen Kleinigkeit wie: ein Foto von sich machen zu lassen? Klar und zu verstehen auch, dass ein Vielfaches vom Ergebnis sich nicht ansprechen lassen will und fremde Ansprache eher als Zumutung ansieht. Erstaunlich aber, wie viele sich eben den Moment genommen haben – und weitere uns tiefen Einblick in ihr Leben gegeben haben: Die Seniorin, die neu in die Stadt kam und jetzt hier heimisch werden möchte; der coole Typ, der sich gerne zur Schau stellt und das auch so sagt; der Inter Mailand – Fan, der zu jedem Heimspiel kostenlos fahren und dort untergebracht werden kann; die etwas abgespannte Mutter, die sich über ein überraschendes Angebot von Fotos ihrer Kinder freut; der Radfahrer, der zunächst wegen ‚Zeitmangels‘ ablehnt und dann fast eine Stunde lang die Bitterkeiten seiner an Enttäuschung reichen Lebensgeschichte darlegte; der Mann, der gerade auf originelle Weise eine Jahre alte Schuld beglichen hatte und wie auf der Flucht schien; der Migrant, der sich sichtbar freute überhaupt mal angesprochen zu werden  – und, und und. Sie alle sind nun Bestandteil unserer Ausstellung und werden von uns überhaupt nicht mehr anonym wahrgenommen.

Veränderung Nummer zwei: Der Fotograf und Theologe Gunnar Bremer hat uns durch zwei themenorientierte Gottesdienste und zwei Themenabende auf teils amüsante, teils tiefgründige Weise neu dafür die Augen geöffnet, dass jeder Mensch ein von Gott geliebter Mensch ist – unabhängig von Herkunft, Geschichte, Aussehen, Status. „Gemeinsam ist man nicht mehr einsam“ oder „Gott, bin ich schön!“ – so lauteten etwa die Überschriften einzelner Veranstaltungen. Er hat uns und unsere Gäste ermutigt, einen neuen Blick auf uns selbst und andere zu richten, einen Blick von außen. Einen Blick aus der Richtung, die auch Gott einnehmen könnte: einen Blick der Freude, der Freundschaft, der Enttäuschung ohne Bitterkeit, der wohlwollenden Sorge, des Erkennens – der Liebe eben. Auch davon zeugen nun die 150 Fotos in unseren Gemeinderäumen im Nordring. Es hat uns hoffentlich – nein, ganz sicher – einen neuen Blick auf Mitmenschen gegeben, Mitmenschen, die wir vorher vielleicht kaum eines Blickes gewürdigt haben. Es hat etwas mit uns gemacht.

Die Erfahrung dieses Perspektivwechsels, diese neuen Blickes möchte ich Ihnen gerne weitergeben, Sie dazu ermutigen, einen neuen Blick auf die Menschen ihrer näheren und weiteren Umgebung zu wagen: wohlwollend, achtsam, mitfühlend, wenn es geht. Kurz gesagt: Mach’s wie Gott, schau neu hin! Das wird auch Sie verändern.

Peter Querbach
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Griesheim
(Die Foto-Ausstellung kann jeweils nach unseren Gottesdiensten (ca. 11:30-12:30 Uhr) besucht werden)